Rede am 30.5.2026 auf dem Leipziger Frauen*Festival: WER ist gewaltsam? Was ist Gewalt?

„Die Formulierung ist mir zu gewaltsam.“ „Sich auf Straßen zu kleben… das ist zu radikal.“  …zu laut, zu aggressiv, zu dolle, zu rücksichtslos, zu unweiblich, …

Solche Aussagen höre ich so oft im Rahmen politischer Arbeit. Nicht nur von den Medienhäusern oder Politikern, sondern auch innerhalb von (feministischen) Gruppierungen…

Und es ist ja auch irgendwie so typisch. Wenig fällt uns so leicht, wie Frauen nicht ernst zu nehmen, sie als zu hysterisch und laut, zu dramatisch hinzustellen und ihres Platzes zu verweisen.

Und allzu oft lassen wir uns darauf ein. Lassen uns genau von denen schämen, die so sehr von unserer Fürsorge und ungesehenen Arbeit profitieren. Es sind genau diejenigen, die behaupten, eine gerechtere, fürsorglichere Welt wäre nicht möglich.

Doch wir sollten uns auf diese Sackgassendiskussion nicht einlassen,

Denn wer diktiert, was gewaltsam ist? Wessen Hand schreibt die Normen, was normal und was zu radikal ist? Wer verfügt über die Deutungshoheit?

Gewaltsam ist, dass jeden 3. Tag eine Frau von ihrem Ex-Partner umgebracht wird, dass kaum eine Frau durchs Leben geht, ohne schon einmal dumm angemacht, übergriffig behandelt, vergewaltigt worden zu sein. Gewalt ist ein System, in dem Menschen mehrere Jobs arbeiten und dennoch kaum um die Runden kommen. Armut ist Gewalt.

Gewalt ist, Geflüchtete im Mittelmeer sterben zu lassen, Menschen abzuschieben…

Gewalt ist ein System, welches unsere Lebensgrundlagen und unsere Mitwelt zerstört, welches uns unserer Zukunft beraubt – alles für den Gewinn einiger weniger….

Das Patriarchat hat eine Normalität der Gewalt geschaffen, die uns einlullt. Es redet uns ein, dass es nicht anders geht. Menschen seien von Natur aus egoistisch und gewaltsam, Kriege seien unvermeidbar. Man könne sie nicht motivieren – ohne den Anreiz des Geldes, ohne das Versprechen von Konsequenzen bei Nichtgehorsam. Es brauche nun einmal Härte und Hierarchien.

Und die Erzählung funktioniert so gut. Wir nehmen diese Gewalt hin, oft gar nicht erst wahr, so sehr ist sie Teil des Systems und vermeintlich normal.

Doch nichts daran ist normal, nichts davon sollten wir hinnehmen!

Das Patriarchat ist der Vater aller Krisen mit denen wir kämpfen: Autoritarismus, Care-Krise, Ökologische Krisen, Gewalt an Menschen und Natur. Die Werte, die im Patriarchat gepflegt werden – Egoismus, Hierarchiedenken, Ungleichwertigkeit, Härte – haben uns in eine Welt voller Gewalt, grenzenloser Ausbeutung und Zerstörung allen Lebens geführt.

Gleichzeitig sorgt das Patriarchat dafür, dass wir uns für sogenannte weibliche Werte wie Mitgefühl, Demut, Fürsorglichkeit, Verletzbarkeit und den Wunsch nach Verbundenheit schämen. So bitten wir verschämt, statt wütend zu fordern.

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