Auf diese gehen wir gern ein…
… und so sehr wir natürlich gut finden, dass diese Debatte geführt wird, vor allem aber sogenannte Männlichkeit in den Analysefokus gerät – die getätigten Grundannahmen von denen aus gestartet wird, sind bereit ein Tappen in die patriarchale Falle…
Sehr geehrte Verfasser:innen bzw. Unterzeichner:innen des Papiers „Starke Männer übernehmen Verantwortung – Eine Einladung für moderne Männlichkeit“,
zunächst möchten wir Ihnen ganz herzlich danken, dass Sie einen feministischen Debattenanstoß gegeben haben und damit der AfD das Kulturkampffeld Patriarchat und Antifeminismus nicht überlassen. Wir haben uns in einigen Punkten Ihres Papiers wiedergefunden: Beispielsweise scheint es auch uns wichtig, den Zusammenhang zwischen Fürsorge und Verantwortung zu betonen und Feminismus auf der Ebene von Werten zu beschreiben.
Wir finden außerdem, dass die mediale Aufbereitung den Impuls des Papiers wenig hilfreich aufgegriffen hat. Schade! Als feministische Gruppe (Feminist Rebellion) möchten wir die Einladung zur Debatte annehmen und unsererseits Stellung beziehen.
Tatsächlich stellt die Tatsache, dass junge Männer zunehmend rechts(extrem) wählen, ja ein gesamtgesellschaftliches Problem dar, welches unbedingt reflektiert werden sollte. Allerdings scheint es uns schon ein Aufgreifen rechter Beschuldigungsmuster zu sein, die Ursache dafür im Feminismus zu suchen, der für Frauenrechte gekämpft habe, aber dabei vergessen hätte, Männern Rollenangebote zu machen.
Die These vom Vakuum, in das nun der patriarchale Backlash einströmen könne, verkennt die Realität. Mit den Forderungen, nicht gewalttätig, nicht dominant, nicht unterdrückend zu sein, ist ja durchaus ein Menschenbild beschrieben, nämlich friedfertig, zurückhaltend und auf Gleichwertigkeit orientiert. Fakt ist: diese Rollenbeschreibung wird von männlicher Seite abgelehnt – und erst daraus resultiert die beklagte „Leerstelle“.
Und warum wird diese Definition von Männlichkeit abgelehnt? Weil für Männer* Gleichwertigkeit eine soziale Herabstufung und Machtverlust bedeutet.
Mal abgesehen davon, dass es nicht die Aufgabe von Frauen* sein kann, Männern* Rollenangebote zu machen (Wer trägt da die Verantwortung, wer leistet da die Care-Arbeit?) bedeutet die Beschreibung von spezifisch männlichen Rollen ein Einknicken davor, dass Männer eine Genderbesonderheit beschrieben wissen wollen, die ihnen einen hochrangigen Platz in einer Hierarchie zuordnet. Genau deshalb lehnen sie die oben benannte feministische Rollenbeschreibung von Männern* ab. Und genau deshalb sind die Versprechen von Krah und Co so attraktiv: Sie versprechen Macht. Sie versprechen ein Wiedererlangen verlorener Privilegien bzw. sie bestärken in der Überzeugung, einen Anspruch auf diese Privilegien zu haben. Der patriarchale Backlash verspricht Hierarchien (genderbezogene, rassistische,…). Hier mit einem egalitären Gegenentwurf landen zu wollen, bedeutet nicht, ein angenommenes Vakuum besser zu füllen, es bedeutet, Männer zum Machtverzicht zu bewegen.
Ziel des Feminismus, ist es ja, alle Geschlechter aus Rollenbildern zu befreien und somit Gleichwürdigkeit herzustellen. Es kann doch nicht Ziel sein, unsere Gesellschaft weiterhin auf binären, hierarchischen Geschlechterrollen aufzubauen (wie immer die dann definiert wären). Warum schreiben Sie nicht: „Es gibt unendlich viele Wege, Mensch zu sein“? Warum sollten all die Beschreibungen, die Sie in dem Papier geben, nicht auch für Frauen* gelten?
Vielfältigere Rollenbilder scheitern nicht an Angeboten für die männliche Identitätssuche, sondern an den Hierarchieansprüchen des Patriarchats. Mit der Problembeschreibung „identitätspolitisches Vakuum“ blenden Sie die Machtfrage aus.
Das Patriarchat, welches nicht überwunden ist, zeichnet sich dadurch aus, dass es mit bestimmten Werten Macht verbunden ist. Diese Werte sind Unabhängigkeit, Härte (Dominanz), Egoismus, Hierarchie, Konkurrenz, Besitz… Solange diese Werte mit Machtzuwachs (sowohl gesellschaftlich als auch in unseren Beziehungen) verbunden sind, und andererseits Fürsorge, Verbundenheit, Solidarität, Mitgefühl, Beziehung… als Privatvergnügen gelten, ändert sich – ganz unabhängig von Geschlechterfragen – gesellschaftlich nichts.
Fürsorge als gesamtgesellschaftliche Verantwortung – jenseits der Geschlechter – und wirkliche gesellschaftliche Stärke zu framen – das wäre ein Ziel. Es braucht also weniger ein Manifest zu moderner Männlichkeit, sondern ein klares Bekenntnis zu einer „Culture of Care“. Würde Fürsorge in unserer Gesellschaft nicht prekäre Beschäftigung, Ohnmacht Und Abwertung bedeuten, wäre sie für alle Menschen attraktiv, auch für solche, die sich als Männer verstehen. Dass an einem Konzept von Männlichkeit festgehalten werden muss, dass wir uns (gleich welchen Geschlechts) derzeit zwischen Macht und Fürsorge entscheiden müssen, zeigt, wie falsch unsere gesellschaftlichen Prioritäten gesetzt sind.

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