Das Motto der Demonstration am 8.3.25 in Leipzig war: „Kein Schritt zurück – für eine feministische Zukunft“ . Dass wir im Jahr 2025 immer noch und mehr denn je Abwehrkämpfe führen, anstatt mutig und freudvoll eine feministische Welt „bauen“ können, hängt sehr viel mit der enormen Widerstandsfähigkeit des Patriarchats zusammen. In einer Wechselrede haben wir es in einem Beitrag auf der Demo zu Wort kommen lassen…

Kein Schritt zurück – Was für eine Scheiße, dass wir das überhaupt zum Motto einer queer-feministischen Demo machen müssen! Eine Menge Feminist:innen auf einem Platz und wir müssen uns sagen „Kein Schritt zurück“! Aber: Wir müssen doch Schritte nach vorn machen!
Warum gehen wir nicht los – in eine feministische Zukunft?
Wir wollen einen Schritt machen – hin zu einer Gesellschaft, in der alle Menschen gut versorgt sind, Culture of Care. Aber das Patriarchat hängt uns am Bein und sagt:
P: Nur die Harten überleben! Mitgefühl ist Schwäche! Du wurdest misshandelt, missbraucht, ausgebeutet? Selbst schuld! Du bist Gutmensch, hast eine Schwäche für Schwache? Dann kümmer Dich halt, ist ja Dein Privatvergnügen!
Und so bezahlen wir Care-Arbeit schlecht oder gar nicht. Fürsorge ist nur in Eheform oder als Versicherung vorgesehen – ist ein Notfall, nicht Teil des gesellschaftlichen Lebens.
P: Punkt für das Patriarchat: Härte bleibt das Ideal – beste Bedingungen für autoritäre Parteien und Führer, beste Bedingungen für Höcke, Trump und Putin, beste Bedingungen für Faschismus.
Oder: Wir wollen Schritte machen zu einer fairen Gesellschaft. Aber das Patriarchat hat uns unsere Überzeugung geraubt:
P: Solidarität ist total naiv! Gutmenschentum eine gefährliche Ideologie! Mit-Gefühl wird nur ausgenutzt! Menschen sind nun mal Egoisten. Und überhaupt: Wie redest Du eigentlich mit mir? Was soll das hysterische Rumgeschreie?!
Und so trauen wir uns Solidarität gar nicht zu, bleiben zaghaft und diplomatisch. Währenddessen wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer und narzisstische Egomanen gewinnen global an Macht.
P:Punkt für das Patriarchat: Konkurrenz und die Macht der Stärkeren bleiben normal – genauso wie unser kapitalistisches Ausbeutungssystem, in dem Milliardäre immer noch reicher werden. Die Macht bleibt bei Männern.
Wir wollen Schritte machen zu einer nachhaltigen Gesellschaft. Aber das Patriarchat lullt uns ein in seine Normalität der Gewalt, die schon immer so war. So spricht niemand von dem Schaden, den das Patriarchat anrichtet.
P: Schaden? Welcher Schaden? Wir stehen für Fortschritt und Entwicklung! Seit Jahrtausenden, ganz klar – oder willst Du wieder in der Höhle leben?!
Das raubt uns die Möglichkeit, uns eine Welt ohne Gewalt vorzustellen. Und so benennen wir das Patriarchat nicht als Täter. Nur am Rande und ohne Empörung nehmen wir den Tatbestand wahr: Missbrauch, Ausbeutung, Zerstörung.
P: Punkt für das Patriarchat: Wir können so weiter machen! Puh, fast hätte ich gedacht, die zunehmende Klimakrise könne den Menschen klar werden lassen, dass unser System nicht ganz so funktioniert. Aber nein. Wir können uns perfekt auf das Patriarchat in allen Köpfen verlassen – und damit noch eine Schippe drauf legen!
Das Patriarchat ist der Vater aller Krisen mit denen wir kämpfen: Autoritarismus, Care-Krise, Ökologische Krisen, Gewalt an Menschen und Natur. Die Werte, die im Patriarchat gepflegt werden – Egoismus, Hierarchiedenken, Ungleichwertigkeit, Härte – haben uns in eine Welt voller Gewalt, grenzenloser Ausbeutung und Zerstörung allen Lebens geführt.
Gleichzeitig sorgt das Patriarchat dafür, dass wir uns für sogenannte weibliche Werte wie Mitgefühl, Demut, Fürsorglichkeit, Verletzbarkeit und den Wunsch nach Verbundenheit schämen. So bitten wir verschämt, statt wütend zu fordern.
Aber die Scham muss die Seite wechseln!
Und auch Stolz, Selbstbewusstsein und Achtung müssen die Seite wechseln!
Ich bin aus Anstand Antifaschistin geworden – und ich bin stolz darauf!
Ich setze Grenzen und benenne Täterschaft, weil ich verantwortlich sein will für mich und für andere – und ich bin stolz darauf!
Ich ringe aus Demut und Verbundenheit darum, in einer Welt zu leben, die nicht von Angst durchtränkt ist, sondern in der alles Leben wertgeschätzt wird – und ich bin stolz darauf!
Ich kämpfe aus Mitgefühl dafür, dass Menschen lieben können wen sie wollen, dass Geflüchtete fürsorglich behandelt werden, dass Böller nicht den letzten Vogel töten – und ich bin stolz darauf!
Scham und Stolz müssen die Seite wechseln. Kein Schritt zurück! Weiter nach vorn! 8. März ist immer!


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