Täterstrukturen aufzeigen

Patriarchale Gewalt IST ein systemisches Problem. Sie durchdringt unsere Köpfe, Beziehungen und gesellschaftlichen Strukturen. Dabei ist selbst Personen, die sich mit dem Thema beschäftigen, nicht bewusst, in welchem Ausmaß alles patriarchal durchdrungen ist. Die Aktion will hier mehr Bewusstsein schaffen…

Die patriarchale Normalität IST die Katastrophe! Denn die von ihr verursachte Gewalt findet sich auf allen Ebenen: individuell, zwischenmenschlich und gesellschaftlich. Eine der wirkmächtigsten und das Patriarchat stützenden Strategien ist es, dass diese Gewalt unsichtbar bleibt. Denn würden wir diese mehr wahrnehmen und uns davon emotional berühren lassen, wäre ein passives, gleichgültiges Hinnehmen so nicht mehr möglich. Empörung, Wut und damit Energie, dieses durch und durch toxische System zu verändern, würde frei gesetzt…

Die Aktion „Täterstrukturen aufzeigen“ war Teil der Demonstration am Internationalen Tag gegen Gewalt an FLINTA und Mädchen. Über die – bewusst verstörenden Anzüge mit angedeuteten Blutspuren – sollte die patriarchale Gewalt spürbar gemacht werden. Auf insgesamt 21 Plakate regten wir dazu an, sich bewusster zu machen, WO, WIE und in WELCHEM AUSMAß die destruktive, patriarchal Gewalt wirkt.

Diese Plakate wurde von Personen in den Anzügen auf der Demonstration getragen:

  • Partnerschaft
    • Im Jahr 2023 wurden laut BMI
      • 132.966 weibliche Opfer von Partnerschaftsgewalt und
      • 47.749 weibliche Opfer von innerfamiliärer Gewalt erfasst.
    • Jeden Tag versucht ein Mann seine (Ex-) Partnerin zu töten – an jedem 3. Tag gelingt das
    • Jede 3. Frau erlebt in ihrer Partnerschaft körperliche und/oder sexualisierte Gewalt
    • Alle 4 Minuten misshandelt ein (Ex-) Partner seine Frau
  • Sexualisierte Gewalt
    • 44% aller Vergewaltigungen werden an Mädchen unter 18 Jahren verübt
    • Nur bei ca. 10 % der angezeigten Vergewaltigungen wird der Täter in Deutschland verurteilt
    • Bis zu 90% der Betroffenen von sexueller Gewalt sind Mädchen und Frauen. Täter sind überwiegend Männer
    • Vergewaltigungen werden weltweit von allen Verbrechen am seltensten angezeigt
    • 1 von 6 Frauen in der EU gibt an, sexuelle Gewalt erlebt zu haben.
    • 48% der Mädchen in der 7. – 12. Klasse gibt an in der Schule regelmäßig sexuelle Belästigung zu erleben. 
    • 3 von 4 Vergewaltigungsopfer kannten ihren Angreifer im Vorfeld.
    • 2024 wurden in Deutschland 128.000 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung polizeilich erfasst. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein.
  • Politik
    • 66 % aller Politikerinnen werden regelmäßig mit frauenfeindlichen Äußerungen durch ihre männlichen Kollegen konfrontiert
    • Beispiele: „In einem Porno würdest Du eine bessere Figur machen.“; „Sie muss vergewaltigt werden, damit sie weiß, was Ausländer tun.“
    • 40 Prozent der Politikerinnen geben an, im politischen Umfeld sexuell belästigt worden zu sein. Bei den unter 45-Jährigen sind es sogar 60 Prozent.
    • Wehren sich Personen gegen sexistisches Verhalten, werden sie mit sexistischen Spitznamen bezeichnet, als destruktiv abgewertet, gemobbt, angefeindet: „Lauf weg, kleines Mädchen, und überlass die Arbeit den Erwachsenen.“
    • Seit jeher und auch heute noch werden Frauen* von der Politik ferngehalten. Das wirkt sich bis heute aus:
    • Im aktuellen Bundestag sind Männer deutlich überrepräsentiert. Von den 735 Abgeordneten sind 480 Männer und 255 Frauen. Das entspricht einem Frauenanteil von 34,7 Prozent entspricht.
    • In Leipzig sind von 70 Stadträt*innen lediglich 24 Frauen* – Tendenz fallend, dank der Wiederkehr reaktionärer Kräfte
    • Die Folgen:
      • Politik wird weiter vor dem Hintergrund patriarchaler Werte (Ungleichwertigkeit, Dominanz, Konkurrenz, Unsolidarität) gestaltet
      • Care-Arbeit ist nach wie vor unsichtbar, unbezahlt und wird als niedrige Tätigkeit angesehen – tatsächlich ist sie DIE systemrelevante Arbeit
      • Verhütung kostet
      • Schwangerschaftsabbrüche illegal
      • Untersuchungen, warum die Gewalt gegen Frauen stetig zunimmt, werden von der Politik nicht für nötig gehalten
      • Jedes 5. Kind in Deutschland ist arm oder von Armut bedroht
      • Unsere Mit-Welt wird weiter zerstört

  • Mensch Ein gewaltvolles Patriarchat ist Teil von uns allen – wir tragen es so von Generation zu Generation fort…
  • Männliche Sozialisation
    • ER ist die Norm – alle anderen sind „das andere“ und ihm untergeordnet
    • Ziel der Sozialisation = Männlichkeitsideal mit den Faktoren: Stärke, Macht, Schmerzfreiheit, Unabhängigkeit, Emotionslosigkeit (Vernunft)
    • Damit einher geht das Recht, Gewalt auszuüben und „das andere“ auszubeuten
    • Gleichzeitig gibt es eine durchgängige, unbewusste Angst vor „dem anderen“ – so nehmen Männer z. B. bereits einen 1/3 Frauenanteil als Überzahl wahr
    • „Mit Hilfe von Frauenhass löschen Männer das aus, was sie an sich selbst hassen und leugnen müssen: Weichheit, Verletzlichkeit, Fragmentierung, Uneindeutigkeit“ (Schutzbach, Franziska)
    • Sie schaden so: sich selbst, ihren Mit-Menschen, ihrer Mit-Welt

  • Weibliche Sozialisation
    • Übernahme einer androzentrischen Sicht auf Mensch und Welt – damit ist der Mann Zentrum und Norm
    • Seine Sicht auf die Welt wird unbewusst als die Richtige wahrgenommen, seinem bewertenden Blick wird sich unterworfen (Schönheitsideal, Verhalten,…)
    • Fürsorglichkeitsanspruch => Frauen* haben sich zu kümmern und harmonische Beziehungen zu gewährleisten
    • Frauen* sind dazu „verpflichtet, die Illusionen eines Mannes über seine eigene Großartigkeit aufrechtzuerhalten“ (Virginia Woolf)
    • Das führt u. a.
      • dazu, dass Aggression und Wut als unweiblich abgewertet werden
      • ein kritischer Blick bei den Frauen* selbst Unbehagen mit sich auslöst

Weitere Plakate gab/gibt es zu:

  • Krieg
  • Klimakatastrophe
  • Pandemien
  • Medien
  • Medizin
  • Forschung/Lehre
  • Polizei
  • Kirche
  • Flucht/Migration
  • Wirtschaft
  • Gericht
  • Kriminalität
  • Soziale Medien

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