Vortrag: Die Erschaffung von Einsamkeit

Wir Menschen haben eine Welt der Einsamkeit erschaffen. In unserem Drang, uns die Welt untertan zu machen, haben wir ebenjene verarmt, ausgebeutet und radikal versehrt. Wir haben uns an das Ende der „großen Kette der Wesen“ (Christ) gesetzt und uns damit aus dem Web of Live exkludiert. Durch diese „aktive Unterbrechung liebevoller Verbindungen“ schreitet die Einsamkeit voran – in der Welt und in uns. Warum aber gefährden wir diese Ver-Bindungen, im Kleinen wie im Großen? Warum bekämpfen wir das, wonach wir uns existentiell sehnen?

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

da stehe ich nun. Unüberlegt bin ich voran geprescht – obwohl ich (abgesehen vom Studium) noch nie einen Vortrag gehalten habe, gleich gar nicht auf einem Kongress… Da stehe ich nun… Ich fühle den angstvollen Herzschlag, die kalten Hände, die weichen Knie… Ich höre die Abwertung in mir: Wie konntest Du? Was maßt Du Dir an?! Ich fühle Schamesröte langsam aufsteigen… Ich möchte mich verstecken… Vor mir selbst… und vor den Menschen, die nun – ich habe es ja herausgefordert – ihre Sinne auf mich richten… und hören, was ich zu sagen habe -oder auch nicht… Ich mache mich verletzbar… hier in diesem Moment… in dem ich einsam stehe und um meine Fassung ringe.

Wir kennen das alle – von uns, von unseren Patient*innen. Wir haben sofort Hypothesen im Kopf, welche Konflikte eine Rolle spielen, auf welchem Strukturniveau wir uns vermutlich bewegen. Wir fragen uns, ob Traumata eine Rolle spielen, welche Ablehnungserfahrungen in der Biografie wohl vorlagen. Was auch wir Psychotherapeut*innen aber meines Erachtens nach wie vor nicht sehen, ist die patriarchale Matrix, die Patrix, wie van Schaik und Michel sagen, welche die Ausgestaltung der jeweiligen Beziehung im Innen und Außen maßgeblich mit beeinflusst. Dabei sind die Beziehungsebenen wie Schalen einer Zwiebel, deren innerster Bereich die Beziehungen in und zu mir sind, welche in den Bereich der Beziehung zu anderen Menschen (und nicht-menschlichen Lebensformen) und schließlich der gesellschaftlichen Beziehungen und Strukturen eingebettet sind. Und in all diesen Schalen wirkt das Patriarchat.

Van Schaik und Michel definieren die Patrix als „Die Vorspiegelung einer Welt in der ein Geschlecht das andere dominiert und soziale Ungleichheit als Normalzustand erscheint.“ (S. 563). Sie argumentieren, dass es die Patrix ist, die den Rahmen für das gewaltvolle, ausbeuterische Verhalten der Menschen liefert, weil sie dem Menschen diese deformierte Sicht auf sich selbst und die Welt implantiert, die eben jenes zerstörerische Verhalten als akzeptabel und normal erscheinen lässt. „Die Annahme männlicher Hegemonie wird [damit] dem Menschen zur zweiten Natur.“ (Seite 567). Es gilt als normal, dass mit „Mensch“ „der Mann“ gemeint ist, der Normalfall von Mensch. Als Belege halten je nach Zeitalter und Kontext hin: die angebliche Natur des Menschen, die philosophische Vernunft oder auch Gottes Wort.

Dabei sichert gerade die Tatsache, DASS wir diese psychologische Tiefenstruktur nicht reflektieren, ihren Erhalt – ihre unhinterfragte Normalität: Nach Lessenich (S. 28) ist „Normalität sozial strukturiert, insofern sie erst aus den tatsächlichen Handlungen und den nicht minder wirklichen Vorstellungen real existierender Menschen hervorgeht. Und sie wirkt sozial strukturierend, indem sie ihrerseits die realen Handlungen und Vorstellungen von Menschen prägt. Aus dieser sozialen Wechselwirkung – das Handeln und Vorstellen zu formen und zugleich durch das Handeln und Vorstellen geformt zu werden – ergibt sich die Trägheit des Normalen, seine strukturelle Tendenz zur Selbstbestätigung und -verstärkung.“ Die Zwiebelschalen sind interaktionell miteinander verbunden und sie stabilisieren sich gegenseitig.

„It´s a mans world“: Unsere gesellschaftlichen Strukturen, unsere Wissenschaften sind androzentrisch. Und auch wir und unser Blick auf uns selbst ist dementsprechend androzentrisch. Es sind Regeln des Patriarchats, die uns „in das Individuum als Selbstverständnis“ (Grubner S. 132) eingeschrieben sind.

Wer wir sind, wer wir glauben, dass und wie wir sind, welche Wahrnehmungen uns bewusst werden und wie wir diese interpretieren, welche Handlungen uns stimmig erscheinen, konstruieren wir über den Austausch mit unserer gesamten Umwelt. Michale Cole, ein Kulturpsychologe, beschrieb das als „Aufwachsen in den Skripten anderer Leute“. Wir können dem nicht entkommen, wir übernehmen das Patriarchat in unsere Köpfe und Körper, ob wir wollen oder nicht. So entsteht in uns eine immer vorhandene, subjektive und kollektive Brille, die wir nie absetzen, ja derer wir uns in der Regel nicht bewusst sind. Sie aber wählt aus – und das gilt nach innen und außen – was wir wahrnehmen, wie wir wahrnehmen, wie wir bewerten und welche Handlungen wir umsetzen. Ob der Herzinfarkt bei weiblich gelesenen Personen nicht erkannt, die korrekte Anatomie des weiblichen Geschlechtsteils gar nicht gekannt, aggressives Verhalten von Männern völlig anders bewertet wird als bei Frauen, ob Alleinerziehende Abwertung oder verzückte Anerkennung erfahren – alles eine Frage der patriarchalen Brille, die unser kognitiv-emotionales System einfärbt. Basis dieser psychologischen Faktoren sind in der Regel maximal vorbewusste Werte, d. h. tief verwurzelte, bedeutsamen und durchdringliche Grundüberzeugungen, Haltungen und Ideale. Die Werte des Patriarchats sind: Überlegenheit (vs. Gerechtigkeit/Gleichwertigkeit), Unabhängigkeit (vs. Verbundenheit), Egoismus und Konkurrenzkampf (vs. Solidarität und Kooperation), Haben (vs. Sein).

Betrachten wir das auf der Individualebene an Hand meiner Einleitung und nehmen zunächst einen patriarchalen (nur dezent misogynen) Blick darauf ein. Die Referentin schaut auf sich selbst und sie antizipiert den Blick der Zuhörenden, was natürlich immer auch Projektionen beinhaltet: Da steht sie nun… Das arme Häschen. Hat sich wohl übernommen, wie uns ihre emotionalen Auslassungen eindeutig mitteilen. Sie kann es nicht. Und gleichzeitig scheint sie sich Gedanken darüber zu machen, was die anderen wohl von ihr halten, fürchtet Zurückweisung und Ablehnung. Was eine Schwäche! Na klar, werden die anderen ihre Unsicherheit merken – die Augenbrauen hochziehen, den Kopf schütteln und gedanklich den Tropf zurück auf ihren Platz verweisen.

Deutlich wird ein Blick, der implizit davon ausgeht, dass

  • Leistung mit Wert gekoppelt ist und diejenigen, die nicht leisten, weniger wertvoll sind, d. h. eine Konkurrenzbeziehung besteht
  • Gefühle, vor allem jene der Angst und Scham –– ein Zeichen von Schwäche sind und vermieden werden müssen
  • Dieses vermeintliche Zeigen der Schwäche vom Gegenüber mit Abwertung und Angriff in Form des Ausschlusses beantwortet wird.

Es ist ein herabwürdigender Blick, der sofort in ein ängstigendes Spannungsfeld setzt, der die anderen zu bewertenden Feinden macht, die unbarmherzig ausnutzen, dass mensch menschlich ist – was meint, verletzlich und anfechtbar zu sein. Es ist ein Blick, der wohlwollende Beziehung und Miteinander kappt und einsam macht. Es ist „Ich gegen die (oder das andere)“. Leben als Kampf, in dem der Stärkere gewinnt.

In dieser patriarchalen Welt ist der Stärkere der, der die eigenen Emotionen nicht fühlt, der sich unempfänglich gemacht hat für eigenes Leid und das der anderen. Es war für mich und für meinen Patienten ein äußerst bewegender Moment, als er die Fähigkeit seiner Partnerin, über ihre Ängste bezüglich ihrer Krebserkrankung zu sprechen, als Stärke wahrnehmen konnte, während er mit diversen Abwehrbewegungen davor auf der Flucht war. Diese Erkenntnis machte ihn so betroffen wie liebevoll verbunden mit seiner Frau – und darin auch mit sich.

Wieviel Zeit verbringen wir in der Therapie mit den strukturorientierten Zielen: Wahrnehmung, Differenzierung, Toleranz und Regulation von Emotionen? Und ja, wir nehmen noch die Eltern als versagende Bindungspersonen an, die allerdings in der Regel ebenfalls sehr viel länger zurückliegende Muster tradieren. Das Muster der Ablehnung des Emotionalen jedenfalls reicht nach Offenbartl zurück bis in die von Männern vorangetriebenen Aufklärung, in der eine folgenreiche, grundlegende Dichotomie konstruiert wurde: Rationalität vs. Nichtrationalität. Mit dieser sind weitere Gegensatzpaare verbunden. Auf dem rationalen Pol finden wir u. a. vernünftig, herrschend, autonom, öffentlich, Ordnung/Gesetz… Dem irrationalen Pol sind Konstrukte zugeordnet wie sinnlich, unterworfen, abhängig, privat, Chaos… „Die Spaltung in rational-vernünftig und nichtrational-sinnlich ist […] für die Herrschaftsbeziehung der Geschlechter von entscheidender Bedeutung. [Denn:] Alle Pole, die eher der Rationalität als dem Nichtrationalen zugeordnet sind, erfahren eine höhere Bewertung als ihre Gegenpole“ (Offenbartl, S. 162) und rational-vernünftig ist der Mann, der – hier schließt sich der Kreis – deshalb als Führungsfigur, als der Herrschende seine Legitimation erhält. Und dessen Sein als DIE anzustrebende Norm definiert ist. Mit der Herstellung dieser Dualität: Mann – Autonomie/Individualität/Rationalität vs. Frau – Abhängigkeit/Gemeinschaft/Gefühl gehen entsprechende innere Überzeugungen und Rollen einher.

Während nach Benjamin für den Mann* „die Abwertung des Bedürfnisses nach anderen“ zum „Prüfstein erwachsener Männlichkeit“ (Benjamin, S. 166) wird, ist Care-Arbeit im weitesten Sinn Aufgabe der Frau und als solche wiederum abgewertet. Das ist der Fürsorglichkeitsanspruch des Patriarchats an die Frauen, die dafür ausschließlich Gebende und Dienende sein sollen: Kate Manne (S. 463) führt aus: „Eine Gebende ist demnach verpflichtet, Liebe, Sex, Zuwendung, Zuneigung und Bewunderung sowie andere Formen emotionaler, sozialer, reproduktiver und fürsorgender Arbeit gemäß gesellschaftlicher Normen zu geben, welche die relevanten Rollen und Beziehungen regeln und strukturieren.“

Dieser Anspruch an die Frauen* wird ausgeweitet auf alles, was man(n) sich untertan machen kann. So wird auch „die Natur zur Ressource, die eine dienende Funktion hat“ (Offenbartl, S. 155) – das heißt, auch sie wird als Gegebenheit betrachtet, auf die man(n) ein Anrecht hat, für die er aber keine Verantwortung trägt, da sie ihm untergeben ist. Gleichwertigkeit und damit Fürsorge, Mitgefühl, Kümmern,… sind eben kein „Gedöns“ (ein Wort, in dem der hier beschriebene Zusammenhang der angstbegründeten Abwertung der Fürsorge sichtbar wird), sondern existentiell notwendig.

Der Mann*, der seine fürsorgliche Seite angstvoll verleugnet, damit nicht pflegt, sondern an in der Regel weiblich gelesene Außenstehende verweist, hat deshalb ein wirklich großes – letztlich selbst geschaffenes – Problem: er braucht die Frau*, die sich sorgt. Brauchen aber heißt Abhängigkeit, es heißt Verletzbarkeit – und damit Angst. Angst, die bisher durch ein „Mehr-des-Bisherigen“ patriarchal-autoritären Lösungsversuches in Form von Besitz, Konkurrenzkampf, Gewalt versucht wird, zu bekämpfen. Ein Teufelskreis aus Angst, in dem ich in mir, im Gegenüber und in der Natur bekämpfe, was Teil allen Lebens ist. Das ist der emotionale Kern und die damit verbundene tragisch destruktive Dynamik der Patrix: Die Angst davor, abhängig, angewiesen, beziehungsbedürftig und verletzlich zu sein, welche mittels verschiedener Abwehrbewegungen über die oben benannten Zwiebelschalen der Beziehungsebenen hinweg beherrscht werden muss und zu einer alles umfassenden Vereinsamung führt.

Gehen wir zurück zur Referentin. Wie würde ihr Blick in einer feministischen Welt aussehen, einer Welt, in der das existentielle Angewiesensein nicht angstvoll zurückgewiesen, sondern über Beziehung und Verbundenheit ge-halten werden kann? In dieser Welt würden entsprechend folgende Werte zu strukturbildenden Prämissen ernannt: Gerechtigkeit/Gleichwertigkeit, Verbundenheit, Solidarität, Kooperation und ein fortwährendes Sein im Prozess.

Da steht sie nun… Weil ihr die Sache so wichtig ist, hat sie sich – trotz der nagenden Ängste und Zweifel – einen Ruck gegeben und ja, da steht sie nun. Sehr cool! Sie spürt ihren angstvollen Herzschlag, die kalten Hände und weichen Knie… das darf sein. Sie legt eine Hand auf die andere – zur Beruhigung: Nur Mut! Und jetzt, da sie in die Runde schaut und wohlwollende Gesichter sieht, lässt die Anspannung noch mehr nach. Denn sie weiß, diese Menschen sind interessiert und offen. Es geht nicht darum, dass eine Person gewinnt, es geht um Wachstum für alle. Und gleichzeitig ist sie wohlwollend(er) mit sich verbunden, sie steht an ihrer Seite und das heißt im Zweifel auch, sie ist in der Lage, konstruktiv aggressiv zu sein.

Wie unrealistisch sich das anfühlt…Wie naiv und kitschig uns das erscheint. Aber auch dieses Empfinden ist Teil der leider sehr wirkmächtigen Strategie der Patrix, die eigene Werte zur Natur des Menschen zu erklären und damit feindselige Konkurrenz als typisch menschlich zu betrachten. Aber den erfolgreichen und überdies glücklichen einsamen Wolf gibt es weder im Tierreich (ganz im Gegenteil, Wölfe sind äußert kooperativ und leben in Familien) noch unter uns Menschen. Tatsächlich wurde unser 300.000 jähriges Fortbestehen bis zur sich seit ca. 5.000 Jahren zunehmend, dann aber allumfassend etablierenden narzisstischen Idee des Patriarchats gerade eben durch Beziehung und Zusammenarbeit gewährleistet.

Interessanterweise ist es dieses wohlwollende Miteinander (zu sich und anderen) – Wohlwollen meint übrigens nicht ohne Grenzen – worauf hin wir bei unseren Patient*innen – und hoffentlich auch bei uns – ja nunmehr jenseits eines pervertierten Autonomieverständnisses arbeiten. Schauen wir in die Strukturvariablen nach Rudolf oder hören wir auf Reinhard, der als „Strategien zur Stärkung der Selbstverbundenheit“ gegen Einsamkeit u. a. nennt: Achtsamkeit nach innen, Gefühle der Einsamkeit zulassen, annehmen; mit Kindheitsbedürfnissen nach Nähe und Akzeptiertwerden selbstfürsorglich umgehen; Gedanken über Beziehungen erkennen, überprüfen und ggf. umformulieren usw. …

Wir arbeiten längst an einer Verbundenheit, ohne welche wir Menschen uns selbst versehren und krank werden. Weil wir Menschen aber immer in Beziehung sind (auch in der Beziehung zu unserer nicht-menschlichen Mit-Welt) arbeiten auch wir Psychotherapeut*innen letztlich an einer Culture of Care (Weintrobe) – einer Kultur der Fürsorge und Verantwortungsübernahme, welche über die verschiedenen Ebenen auch die Gesellschaft erzeugt. Allerdings sind wir uns dessen viel zu wenig gewahr.

Dabei ist es längst Zeit, größer zu denken, denn wir verlieren nicht nur „die Orte, an denen ich weine“, wie eine Patientin unlängst erzählte, sondern wir verlieren unsere Lebensgrundlagen. Nein, lassen Sie uns ehrlich sein: Die Spezies Homo sapiens, also wir alle, zerstören unsere Lebensgrundlagen.

Van Schaik und Michel definierten die Patrix als „Die Vorspiegelung einer Welt, in der ein Geschlecht das andere dominiert und soziale Ungleichheit als Normalzustand erscheint.“ Es geht aber um viel mehr als das. Denn es geht um die Vorspiegelung einer Welt, in der der Mensch – allen voran der weiße cis-Mann – alle anderen dominiert, diese Ungleichwertigkeit als Normalzustand beschreibt und damit Ausbeutung im weitesten Sinn legitimiert. Es geht um die patriarchale Vorspiegelung eines Zustandes, in dem DER Mensch herausgehoben, also unabhängig sein könnte aus allen Lebenszusammenhängen. Das ist das größte patriarchale Phantasma – und wir lassen uns davon nach wie vor leiten. Fast möchte ich sagen: Verrückt! Ich sage aber dann doch lieber mit Lessenich: „Doch es lässt sich zumindest sagen, worin die große Herausforderung der gegenwärtigen Konstellation liegt: nämlich in nicht weniger als der gemeinschaftlichen Anerkennung der zutiefst irrationalen Rationalität, der die

Gesellschaft, in der wir leben, bis auf den heutigen Tag folgt. Es gilt…diese Irrationalität zu erkennen, gemeinsam einen praktischen Sinn zu entwickeln für den Irr-Sinn der herrschenden Verhältnisse“ (Lessenich, S. 129).

Aus Angst vor unserer lebensinhärenten Verletzlichkeit und Abhängigkeit haben wir Menschen eine Welt der Unverbundenheit, eine Welt der Einsamkeit geschaffen. Durch unsere derzeitige patriarchal geprägte Art der Bewältigung dieser Ur-Angst, (nämlich) uns die Welt untertan zu machen, haben wir nicht nur ebenjene verarmt, ausgebeutet und radikal versehrt. Wir haben uns damit selbst aus existentiellen Lebenszusammenhängen exkludiert. Durch diese „aktive Unterbrechung liebevoller Verbindungen“ (Weintrobe) – zu uns selbst, zu anderen und zu unserer Mit-Welt schreitet die Einsamkeit – in der Welt und in uns – weiter voran.

Das aber ist – und das ist mir besonders wichtig herauszuarbeiten – weder natürlich, noch zwangsläufig, noch gottgegeben, sondern es ist die Folge von Entscheidungen, die wir – noch – treffen. Es ist Zeit – und wir Psychotherapeut*innen könnten hier wichtige Begleiter*innen sein – andere Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die unserer durch und durch sozialen Natur, unserem eben nicht zu lösenden Eingebundensein in Lebenszusammenhänge und der besonderen Verantwortung unserer Spezies gerecht werden.

Eine andere Welt ist möglich.


Literatur

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